Schlaue Lösungen für elementare Bedürfnisse

«Gesundes Bauen» kennt viele unterschiedliche Aspekte. Aber: Immer stehen die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse im Zentrum, für die eine gute Antwort gefunden werden muss.

Palo Alto, USA

Alle Sinne ansprechen und besser heilen

Eine gute Spitalarchitektur kann eine heilende Wirkung entfalten. So ist etwa wissenschaftlich belegt, dass eine wohnliche Atmosphäre oder der Blick vom Spitalbett aus ins Grüne den Heilungsprozess unterstützt. Aber auch gut durchdachte Arbeitsabläufe machen den Spitalalltag und damit den Aufenthalt der Patienten sicherer. Etwa, wenn die Medikamente nicht im hektisch belagerten Durchgangsbereich des Stationszimmers gerüstet werden müssen. Herausragende Beispiele der Spitalarchitektur werden sogar international mit einem Healthcare Design Award ausgezeichnet. Zum Beispiel das Rehabilitationszentrum für Armeeveteranen in Palo Alto, Kalifornien. Dieses hat sich auf Patienten spezialisiert, die ein Mehrfachtrauma erlitten haben und unter der Beeinträchtigung ihrer Sehkraft leiden. Bei der Gestaltung der Anlage hat man versucht, Gebäude und Umgebung konsequent als Therapiemittel einzusetzen. Jede Gelegenheit wurde genutzt, um alle Sinne anzusprechen und den visuell eingeschränkten Patienten neuartige Erlebnisse durch Berührung, Bewegung, Geruch, Geschmack, Sehen, Hören und die Herausforderung des Gleichgewichts zu verschaffen. Jedes Gestaltungselement, die Möblierung und auch die Auswahl sämtlicher Materialien bis hin zur Kunst am Bau, wurde unter diesem Aspekt geprüft. Herausgekommen ist eine heilende Umgebung, die nicht nur den Rehabilitationsprozess beschleunigen, sondern die Patienten befähigen will, Erfahrungen zu machen, die ihr Leben weit über den Klinikaufenthalt hinaus positiv beeinflussen.

Herdecke, Deutschland

Mehrere Generationen glücklich unter einem Dach

Zwischenmenschliche Kontakte sind für das psychische Wohlergehen elementar. Wenn man in einem Wohnbauprojekt mehrere Generationen erfolgreich miteinander zusammenbringt, profitieren alle davon und es können wertvolle Beziehungen wachsen. Damit das in der Praxis so gut funktioniert wie in der Mehrgenerationensiedlung «Alter Steinbruch» im nordrhein-westfälischen Herdecke, gilt es indes einiges zu beachten. So ist eine gut erschlossene Lage zentral. Alle Wohnungen sind barrierefrei, also durch einen Aufzug erreichbar. Damit Begegnungen zwischen den Generationen überhaupt erst entstehen können, sind alle Zugänge als Begegnungsflächen mit hoher Aufenthaltsqualität ausgestaltet. Einladende Spazierwege führen, gesäumt von Sitzgelegenheiten, zu den Wohnhäusern. Diese Wege dienen den Kindern auch als Spielflächen. Zu den Wohnungen führen auf allen Geschossen gedeckte Galerien, wo man sich ebenfalls gerne hinsetzt. Attraktive Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsgärten sind wichtige Orte, wo gemeinsam diskutiert, gespielt, gefeiert oder gearbeitet wird. Genauso wichtig wie die baulichen Voraussetzungen ist für das Gelingen des Mehrgenerationenwohnens in der Wohnüberbauung am Steinbruch aber die soziokulturelle Begleitung. Bereits während der Projektierung wurden Interessentinnen und Interessenten in einem moderierten Kennenlern- und Bewerbungsprozess bewusst zusammengebracht. Mitsprachemöglichkeiten bei der Gestaltung von Gemeinschafts- und Aussenräumen schafften Identifikation mit dem neuen Wohnort und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Singapur

Ein wohltuendes Stück Natur zum Anfassen

Auf einer Fläche, die etwas geringer ist als jene des Kantons Solothurns drängen sich in Singapur 5,7 Millionen Einwohner. Da wird jede Ecke der dichtbebauten Stadt genutzt, um die Menschen mit wohltuendem Grün auf Tuchfühlung zu bringen. So hat man etwa in den hochverdichteten Gebäudekomplex Marina One gleich auch noch einen Stadtpark integriert. Das Team des deutschen Architekten Christoph Ingenhoven gestaltete den Innenraum zwischen den vier Hochhäusern als dreidimensionale Oase. In Anlehnung an südasiatische Reisterrassen entstand so auf mehreren Stockwerken naturnaher Lebensraum für 350 verschiedene Pflanzen, darunter 700 Bäume, sowie verschiedene Tierarten. Die Grünfläche umfasst eine Fläche von 37'000 m2. Wie in einem Regenwald bieten die verschiedenen Höhenstufen unterschiedliche Lebensbedingungen, wodurch sich auch die jeweilige Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft verändert. Auf den dicht bewachsenen Terrassenstufen sind auch Restaurants, Verkaufsflächen, ein Pool, ein Fitnessclub und Eventbereiche angesiedelt. Der tropische Garten «Green Heart» wird so zum Begegnungsort für die Bewohner, Arbeitnehmer und Besucher dieser Stadt in der Stadt, die 350'000 m2 Büroraum und mehr als 1000 Wohnungen Raum bietet. Durch gezielt gesetzte Durchbrüche auf verschiedenen Höhenstufen durchströmt zudem Luft den Green Heart. In Verbindung mit der Bepflanzung sorgt die so entstehende natürliche Ventilation für ein vergleichsweise erträgliches Mikroklima inmitten der sonst so feuchtheissen Tropenstadt.

Pilbara, Australien

Angenehme Kühle dank archaischer Bautechnik

Der Stampflehmbau, eine uralte Bautechnik, erlebt gerade eine Renaissance. Dafür gibt es gute Gründe. Neben der weltweit guten Verfügbarkeit des Baustoffs zählt dazu auch seine einfache Rezyklierbarkeit. Vor allem aber sind Bauten aus Lehm auch der Gesundheit zuträglich. Das hat sich Architekt Luigi Rossinelli zunutze gemacht, als er eine Unterkunft für Viehtreiber in der Region Pilbara im Nordwesten Australiens errichtete. So wirkt Lehm ausgleichend auf das Raumklima und glättet sowohl die Lufttemperatur als auch die Luftfeuchtigkeit. Diesen Effekt hat Rossinelli noch verstärkt, indem er die Wände bis zu 45 Zentimeter stark gebaut hat, was die thermische Masse des Gebäudes noch erhöht. Zudem deckt eine Sanddüne das Gebäude zu und isoliert es so zusätzlich. Im vor Ort herrschenden subtropischen Klima schafft das Gebäude auf diese Weise auch an feuchtheissen Tagen angenehm kühle Wohn- und Schlafbedingungen. Hinzu kommt, dass getrockneter Lehm antibakteriell und auf Schädlinge abweisend wirkt. Allergiker mögen das Baumaterial zudem auch deshalb, weil es die Staubproduktion stark einschränkt. Lehm kann zudem allergene Stoffe und auch unangenehme Gerüche aus der Luft absorbieren und binden. Um eine Stampflehmmauer zu bauen, schüttet man erdfeuchten Lehm in eine Schalung. Dann wird die 10 bis 40 Zentimeter hohe Schicht maschinell verdichtet. Früher wurde das Material mit Füssen gestampft, was dem Verfahren seinen Namen gab.

Zürich, Leutschenbach

Konsequent auf gutes Wohnklima ausgerichtet

Die Wohnüberbauung auf dem Hunziker Areal im Norden von Zürich versteht sich als Leucht­turm­projekt des nachhaltigen Wohnungs­baus und wurde dafür auch mehrfach ausgezeichnet. Vorbildlich will das Projekt auch hinsichtlich des gesunden Bauens sein. So erfüllen die 13 Gebäude die Kriterien des Standards Minergie-P-Eco. Damit verbunden sind insbesondere auch besonders hohe baubiologische und bauökologische Anforderungen, die auf ein gesundes Wohnklima abzielen. Das heisst, dass beim Bau der Einsatz von Schadstoffen wie Bioziden, Holzschutz- und Lösemitteln in den Innenräumen ausgeschlossen wird. Darauf muss auch bei der Auswahl der Baumaterialien zwingend geachtet werden. Garantiert ist eine hohe Luftqualität durch einen geregelten Luftaustausch. Damit kann auch die Luftfeuchtigkeit auf tiefem Niveau gehalten werden, um das Wachstum von allergieauslösenden Milben und Mikro­organismen zu beschränken. Besondere Beachtung finden zudem der Schutz vor Lärmimmissionen von innerhalb des Hauses wie auch von aussen sowie eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht. Um auch das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner auf dem Hunziker Areal zu fördern, legt die Baugenossen­schaft «mehr als wohnen» als Bauträgerin grossen Wert auf deren Mitwirkungsrechte, die bis zur grosszügigen Finanzierung von Gemeinschafts­projekten reichen, die von der Mieterseite eingereicht werden. Nicht zuletzt deshalb wurde das Projekt unter anderem auch mit dem World Habitat Award ausgezeichnet.

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