Neue Eishockey­stadien in der Schweiz

In die Schweizer Eishockey­arenen wird derzeit kräftig investiert: In Fribourg und Davos handelt es sich um Weiter­entwicklungen des bestehenden Stadions, in Zürich Altstetten und der oberen Leventina ent­­stehen Neubauten. Bereits fertig sind die Vaudoise Aréna in Lausanne und die Tissot Arena in Biel, die 2015 als multi­funktionale Gesamt­anlage in Betrieb genommen wurde. In Biel ist das Publikum im Ver­­gleich zur alten Stadion­welt deutlich weiblicher geworden – und es darf mit der Club­legende Aufzug fahren.

Mit der Clublegende im Aufzug – neue Eishockeystadien in der Schweiz

Die Tissot Arena ist im Minergie-Standard gebaut. Oben auf dem Dach betreibt der Energie Service Biel/Bienne eine riesige Solaranlage, die jährlich 2,1 GWh Strom produziert. Das ist etwas mehr als die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs der Anlage (3,6 GWh pro Jahr) und entspricht dem Bedarf von rund 500 Vierpersonenhaushalten. Ein grosser Teil dieser Energie gelangt aber gar nie in einen Haushalt, weil er direkt im Gebäude verwendet wird – zum Beispiel für den Betrieb der insgesamt 20 Schindler Aufzüge, zwei Fahrsteige und zwei Fahrtreppen (ebenfalls von Schindler) oder der Eisaufbereitungsanlage. «Die bei der Eisproduktion anfallende Abwärme erwärmt das Brauchwarmwasser und beheizt das gut gedämmte Gebäude», erläutert Stephan Kossack, Leiter Infrastruktur der Tissot Arena. Solche gesamtheitlichen Gedanken gehören heute ganz selbstverständlich zu einem Stadionneubau – die Zeiten, in denen ein Stadion nur aus Sport, Bier und Bratwürsten bestand, sind längst Geschichte. Die Besucherinnen und Besucher sollen sich im Mittelpunkt fühlen und den Abend geniessen, der lange vor Spielbeginn mit dem Zugang in die Arena beginnt und erst mit dem Verlassen nach dem Schlummerbecher endet.

Die 2016 verstorbene Bieler Clublegende Gaëtan Boucher jubelt auf der Liftkabinentüre, die als Graphic Wall ausgestaltet ist.
Der Blick aufs Wettkampf-Spielfeld der Tissot Arena in Biel.

Quantensprung für das Publikum

Gegenüber dem alten Stadion, in welchem der EHC Biel 1977/78, 1980/81 und 1982/83 seine drei Schweizer Meistertitel feiern durfte, ist die Tissot Arena ein Quantensprung für das Publikum, das sich von früher viel Durchzug und wenig Komfort gewohnt war. Der Abstieg Ende der Saison 1994/95 fühlte sich für die Fans wie eine Art Weltuntergang an, und der bauliche Zustand des Eisstadions war nicht sehr weit davon entfernt. Bei der Fussballtribüne Gurzelen, der Curlinghalle und anderen öffentlichen Gebäuden Biels sah es zustandsmässig nicht wesentlich besser aus. Im Eisstadion mussten 2006 gar Schutznetze unter die Decke gehängt werden, weil immer wieder Gebäudeteile auf das Eisfeld gefallen waren! «Bei mehr als 30 Zentimeter Schnee auf dem Dach durfte das Halleninnere wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden», erinnert sich Stephan Kossack, der damals noch nicht Leiter Infrastruktur der Sportanlage, sondern einfach Fan des EHC Biel war. Auch wenn diese Episoden mittlerweile Schnee von gestern sind, bilden sie die Tiefe der wirtschaftlichen Depression ab, in die der Jura-Südfuss nach dem Boom der 60er-Jahre im Zuge der Uhrenkrise gefallen war.

Der Triple-Aufzug führt von den unteren Etagen der Tissot Arena auf die «Place publique» auf dem Dammgeschoss.

Mehrere Fliegen auf einen Streich

Erst mit der Jahrtausendwende und der Landesausstellung Expo.02 kehrte in Biel jene Aufbruchstimmung zurück, welche die Stadt wieder attraktiv für Neuzuzüger und Firmenansiedlungen machte und ihr finanziellen Spielraum für den Blick nach vorne gab. Am Ende der Spielzeit 2007/08 gelang dem EHC Biel nach 13 Jahren Absenz die Rückkehr in die höchste Schweizer Spielklasse, was der Vision eines Stadionneubaus kräftig Schub verlieh.
Im Wissen, dass die arg heruntergekommenen Sportanlagen nur mit einem unverhältnismässigen Aufwand sanierbar wären, traute sich Biel vor rund zehn Jahren, zum grossen Wurf anzusetzen: Private und öffentliche Akteure planten nach dem Public-Private-Partnership-Modell «auf der grünen Wiese» am Stadtrand eine Multifunktionsanlage mit Fussballrasen, Eishockey- und Curlinghalle, kombiniert mit Shopping- und Restaurationsflächen und komfortabel verbunden mit Schindler Aufzugsanlagen. Das Geniale daran: Am neuen, verkehrstechnisch ideal gelegenen Ort verzahnen sich Eishockey /Curling und Fussball saisonal sowie die Sport- und Einkaufsnutzung tageszeitlich. Die 750 Parkplätze im untersten Geschoss dienen allen Teilnutzungen.

Das optische Schmuckstück der Aufzugsanlagen sind die Graphic Walls, welche das Publikum mit den darauf abgebildeten Clublegenden in die Erlebniswelt begleiten.

Die Flaniermeile verbindet alles

Vom Parking der Tissot Arena führt ein Triple-Aufzug von Schindler zur «Place publique» auf dem Dammgeschoss, von dem man in alle Sportnutzungen gelangt. Die Shoppingflächen befinden sich eine Etage darunter. Und das Gastroangebot ist geschickt eingewoben, sodass es für alle Nutzungen zur Verfügung steht. In der Eishockeyarena befindet sich in jeder Stadionecke ein Aufzug für die Erschliessung der Zuschauerränge. Einer der Aufzüge bringt die Speisen aus der Gastroküche vor der Türöffnung in den VIP-Bereich, und nach Spielschluss sind die Reinigungstrupps froh um diese vertikalen Verbindungen. Für die Eisaufbereitungsmaschine gibt es einen eigenen Fahrzeuglift – denn diese kommt sowohl auf dem Wettkampf-Spielfeld als auch auf dem Trainingseis zum Einsatz, das sich auf einer anderen Etagen befindet.
Das optische Schmuckstück der Aufzugsanlagen sind die Graphic Walls – mit Folien beklebte Kabinenwände, welche das Publikum mit den darauf abgebildeten Clublegenden in die Erlebniswelt begleiten. Das weckt Emotionen und Erinnerungen! Der 2016 verstorbene Gaëtan Boucher, der 1994 im entscheidenden Playout-Match mit einem verwandelten Penalty seine Karriere beendete, jubelt auf der Aussenwand. Und Olivier Anken, der in jenem Spiel mit seiner allerletzten Parade den Ligaerhalt sicherstellte, wartet in der Aufzugskabine. Der Kult-Torhüter aus den Meisterjahren hat nicht nur im Aufzug, sondern auch in der Arena einen Ehrenplatz: Ankens Trikot hängt unter dem Stadiondach, seine Rückennummer 30 wird in Biel nie mehr vergeben.
Vom neuen Ambiente im Stadion fühlen sich deutlich mehr Frauen als früher angezogen – ein von den Clubstrategen durchaus beabsichtigtes Phänomen, das sich rund um eine Stadionveränderung nicht nur in Biel beobachten lässt. Denn einige weitere Schweizer Eishockeystadien blicken auf einen Um-/Neubau zurück oder stehen mitten in einem solchen Prozess. Die Richtschnur der Neuausrichtung ist überall dieselbe: mehr Komfort und Erlebnis für das Publikum. Die Lösung ist von Fall zu Fall anders gelagert, wie nachfolgend fünf weitere Beispiele zeigen.

Die Heimspielstätte des EHC Visp – die Lonza Arena – bietet 5150 Zuschauern Platz.
Die Vaudoise Aréna in Malley bei Lausanne ist seit den Youth Olympic Games 2020 in Betrieb.
Die Davoser Eishalle ist im Sockelbereich mit einem Mantelgeschoss erweitert worden.

Lausanne: «Olympia-Neubau» gleich nebendran

In der Olympiastadt Lausanne führten die 2015 an den Genfersee vergebenen Youth Olympic Games 2020 (YOG) zum Neubau der Vaudoise Aréna, die unmittelbar neben der 2017 rückgebauten Patinoire de Malley hochgezogen wurde. Die temporäre Halle Malley 2.0 im Stadtteil Prilly diente während der Bauzeit als Ersatz und während der YOG als zusätzlicher Wettkampfort. Sie geht als grösstes temporäres Eisstadion der Welt in die Geschichtsbücher ein.
In der Vaudoise Aréna sorgen 16 Verkaufsstände für Essen und Getränke und riesige Toilettenanlagen für kurze Wartezeiten in den Pausen – das schätzen die bis zu 9600 Matchbesucherinnen und Matchbesucher sehr. Zur Erlebniswelt der Vaudoise Aréna gehören zudem ein Restaurant mit je 150 Innen- und Aussenplätzen, 20 VIP-Logen und die Salle Capitale olympique (mit einem weiteren Restaurant und einer VIP-Bar). Dieses breite und üppig dimensionierte Rahmenangebot dokumentiert, dass die Fans heute unterhalten werden und sich verwöhnen lassen wollen.

Fribourg: Ein Upgrade 

Anders als in Lausanne handelt es sich beim Stadionprojekt in Fribourg nicht um einen Neubau, sondern um ein Upgrade. Die alte Patinoire de Saint-Léonard, die seit der Saison 2010/11 den Namen BCF-Arena trägt, wird weiterentwickelt und von 6500 auf 8500 Zuschauer vergrössert. Der generelle Trend (weg von den Steh- hin zu mehr Sitzplätzen) lässt sich am Fribourger Beispiel sehr gut verdeutlichen: 2004, nachdem die ersten VIP-Logen eingebaut waren, gab es im Saint-Léonard 2109 Sitz- und 5033 Stehplätze. Nach dem Umbau wird die BCF-Arena 6000 Sitz- und 2500 Stehplätze sowie 554 Logen-, VIP-, «Dine&View»- und Medienplätze umfassen und alle Sicherheitsauflagen des Verbands erfüllen. Neue reglementarische Vorgaben sind seit Jahrzehnten der wohl wichtigste Treiber für Stadionumbauprojekte – das war schon bei der obligatorischen Überdachung der Eisbahnen Ende der 70er-Jahre so.

Ambri: Neues Stadion wegen Lawinenzug

Und auf jenem Stand ist die Pista la Valascia in der oberen Leventina (Kanton Tessin) heute noch. Aber das noch grössere Problem ist, dass sich der Hockeyclub Ambrì-Piotta (HCAP) mit seiner 1959 erbauten und 1979 überdachten Eisbahn in einer lawinengefährdeten Zone befindet – darum ist seit 2010 klar, dass La Valascia nicht erneuert werden darf bzw. rückgebaut werden muss. Nach Ende der Saison 2017 war entschieden worden, die Nuova Valascia definitiv auf dem ehemaligen Militärflugplatz Ambrì zu bauen – das dazu notwendige Bauland hatte die Standortgemeinde Quinto dem HCAP bereits im Februar 2015 kostenlos überlassen. Der Stadionentwurf stammt von Mario Botta – ebenfalls unentgeltlich, da der Tessiner Stararchitekt selber ein grosser Fan des HC Ambrì-Piotta ist. Nachdem sich die Baufinanzierung als komplizierter als gedacht gestaltete, war der symbolische Spatenstich kurz vor Weihnachten 2018. Die Bauarbeiten mussten im März 2020 im Zuge der Corona-Krise unterbrochen werden, womit der neue Fertigstellungstermin nun für Ende 2021 geplant ist.

Mit der neuen Swiss Life Arena in Zürich Altstetten, die auf der Stadion-Website heute schon als Hexenkessel beschrieben wird, beginnt im August 2022 eine neue Eishockey-Epoche.

ZSC zieht aus Hallenstadion weg

Auch der Zürcher Schlittschuhclub (ZSC) verlagert sein Heimstadion, aber aus anderem Grund: Im vielseitig genutzten Hallenstadion in Oerlikon stand das Eishockey während Jahren stets etwas im Offside, wenn es wegen anderer Events keinen Zugang in seine Heimarena hatte und der ZSC bei der Liga gebündelte Auswärtsspiele beantragen musste. Zudem sind die Tribünen im für die Bedürfnisse von Radrennen konzipierten Hallenstadion sehr flach und das Hockeypublikum ist zu weit vom Geschehen weg. Mit der neuen Swiss Life Arena in Zürich Altstetten, die auf der Stadion-Website heute schon als Hexenkessel beschrieben wird, beginnt im August 2022 eine neue Eishockey-Epoche. Sie trägt die gestalterische Handschrift des Zürcher Büros Caruso St John: Ein in Sichtbeton gegossener Vorhang umhüllt die Halle. In die Schalung eingelegte Matrizen verleihen den Fassaden eine «stoffliche» Form. Zusammen mit den zum Stoffmotiv passenden runden Fenstern – die auch dem Puck nachempfunden sein könnten – erhält die Eis- und Eventhalle schliesslich einen festlichen Charakter.

Davos baut in Etappen aus

Ebenfalls gebaut wird in Davos, wo sich an der Lage des Eisfelds seit über 100 Jahren nichts geändert hat – darum wird das laufende Projekt in drei Etappen umgesetzt, abgestimmt auf die kurze alpine Bausaison im Sommer. So war es in Davos schon immer: Das imposante Kuppeldach über der Kunsteisbahn entstand nach dem NLA-Aufstieg im Jahre 1979, die grossen Glaswände kamen erst ein Jahr später hinzu. An der Grundvolumetrie der heiligen Holzdachkonstruktion ändert das aktuelle Erweiterungsprojekt nichts – dieses fokussiert sich auf den Sockelbereich. In einem neuen Mantel entsteht zusätzliches Volumen für Büro- und Fitnessräume, sportmedizinische Einrichtungen und zusätzliche Garderoben. Das hat auch mit den spezifischen Bedürfnissen des Spengler Cups zu tun, für den es wegen der zwei Spiele pro Kalendertag nicht nur die üblichen zwei, sondern eben vier Team-Garderoben braucht.

Die Tissot Arena in Biel ist ein Multifunktionsgebäude für Eishockey, Curling und Fussball. Im Sockelbereich sind Einkaufsflächen.
Die Bauarbeiten rund um die Davoser Eishalle waren auf drei Saisonpausen etappiert.

Schindler Graphic Walls

Mit den Graphic Walls bietet Schindler individuelle Gestaltungslösungen für die Aufzugoberflächen und weckt damit Lust auf Farbe: Bestehende Kabinenwände oder Aufzugtüren erhalten innert eines halben Tages ein neues Gesicht. Auch bei Neukonzeptionen lassen sich gezielt Akzente setzen, oder die Graphic Walls fügen sich dezent in die Gesamtwirkung eines Raums ein. Für ausgefallene Design-Ideen, ein harmonisches Erscheinungsbild, eine bestimmte Stimmung oder geschickt platzierte Werbung bilden Graphic Walls die ideale Lösung.
Das Konzept der Schindler Graphic Walls beruht auf der DI-NOC Dekorfolien-Technologie von 3M. Mit diesen Strukturfolien lässt sich die Anmutung unterschiedlicher Materialien (z.B. Holz, Karbon, Leder) effektvoll erzielen. Die Temperaturbeständigkeit liegt zwischen –20 ºC und +50 ºC, ohne direkte Sonneneinstrahlung beträgt die Funktionsdauer des Produkts 15 Jahre. Die hochwertigen Folien erfüllen die Kriterien der Brandschutzklasse M1 und haben eine hohe Abrieb- und Fleckenbeständigkeit. Sie können mit nahezu allen Pflegeprodukten gereinigt werden. Und nicht zuletzt lassen sie sich einfach und sauber verkleben – für ein perfektes Ergebnis arbeitet Schindler mit ausgesuchten, hoch qualifizierten Partnern zusammen.
In der Basic Collection und in Design Collection steht eine grosse Anzahl von Farben und Motiven zur Auswahl bereit, oder es können beliebige Fotografien und eigene Motive zur Graphic Wall umgesetzt werden.

 

 

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