Innovative ökologische Gebäude rund um die Welt

Moderne Ökogebäude in aller Welt punkten vor allem dank grünem Baumaterial aus nachwachsenden Rohstoffen. Auch Bambus und Holz sind beliebt. Beton und Zement hat man auf ein Minimum reduziert.

Lange Zeit setzen Architekten, Planer und Ingenieure vor allem auf ­Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft, um öko­logisch, nachhaltig und umweltbewusst zu bauen. Nach wie vor sind diese Techniken wertvoll und wirksam. Aber der Trend bei ­Ökohäusern geht zu neuen, innovativen Baumaterialien, die bereits Energie sparen, bevor überhaupt jemand einzieht. Hier ein Überblick über die weltweit spannendsten Projekte.

Österreich

HoHo Wien

Auch wenn es wie haha klingt – das HoHo Wien ist kein Scherz. Gerade fertiggestellt, gilt es als eines der höchsten Holzhochhäuser der Welt. Der Bau mit 24 Geschossen ragt 84 Meter in den Himmel; die ersten Mieter sind bereits eingezogen. Die Planer verstehen ihr Projekt als Antwort auf den Klimawandel und führen vor allem die CO2-Bilanz ins Feld: 75 Prozent des Hochhauses bestehen aus Holz. Das soll bereits beim Bau 2800 Tonnen des Klimagases eingespart haben, da deutlich weniger Stahl und Zement zum Einsatz kamen. Das Raumklima gilt als vorbildlich, da Decken und Wände aus naturbelassenem Fichtenholz sind. Das Holz stammt aus Österreich. Wege und Bauzeit sind vergleichsweise kurz: Eineinhalb Jahre dauerte es bis zur Eröffnung des ersten Bauabschnitts. Ein weiterer ökologischer Vorteil: Holzhäuser wie das HoHo binden Kohlendioxid in den Städten. Den Vorteil hat man unter anderem auch in Japan erkannt, wo es Pläne für einen 350 Meter hohen Turm gibt, der zu 90 Prozent aus Holz bestehen soll.

Israel

Hanf-Haus

Im israelischen Galiläa steht seit kurzem ein Ökohaus der besonderen Art. Die Bauherren haben ihr Gebäude mit sogenanntem Hanfbeton (engl. Hempcrete) isoliert. Es handelt sich um eine Mischung aus pulverisiertem Kalk und Hanfschäben, wie Experten das holzartige Innere des Hanfstängels bezeichnen. In der Bauphase selbst ist weniger Energie nötig, zudem fällt weniger Abfall an. Fussböden und Decken bestehen aus Holz, die Aussenwände sind mit Kalkputz, die Innenwände mit Lehmputz gefertigt. Der Hanf-Ökobeton gilt als witterungsbeständig und hat einen besonders hohen Isolierungsgrad, sodass im Winter weniger Heizkosten für die Bewohner anfallen. Im Sommer kommt es ohne Klimaanlage aus, obwohl die Aussentemperaturen die 30-Grad-Marke deutlich übersteigen. Das erste derartige Projekt in Israel war das 2017 mit Preisen ausgezeichnete «Cannabis-Haus» im Karmelgebirge, das unter anderem über ein Brauchwassersystem, ein Regenwasser-Sammelsystem, Komposttoiletten, Passivheizung und -kühlung und Solarpaneele verfügt.

Italien

Reis-Haus

Auch das ist kein Witz, sondern Realität. Im italienischen Ravenna hat eine Firma vor einigen Wochen ein Wohngebäude errichtet, das zu mehr als 50 Prozent aus organischem Abfallmaterial besteht. Zum Einsatz kamen grösstenteils Reste aus der Reisproduktion (Schalen und Stroh) sowie Aushub (25 Prozent) und Kalk (10 Prozent). Lediglich beim Fundament (Beton) und beim Dach (Holz) griffen die Bauherren auf herkömmliches Material zurück. Nach Medienberichten ist weder Heizung noch Klimaanlage nötig, sofern man das Haus klug nach den Himmelsrichtungen ausrichtet. Ein interessanter Aspekt am Rande: Ein 3D-Drucker übernahm den Hausbau. Er brauchte lediglich zehn Tage, um das 20 Quadratmeter grosse pavillonähnliche Gebäude zu errichten.

Indonesien

Green School Bali

Sämtliche Gebäude und Konstruktionen sind aus Bambus gefertigt – von den Regalen über die Tische, Stühle und Tafeln bis hin zu den Basketballbrettern. Die Dächer bestehen aus Stroh, sodass nahezu alles aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut wurde. Zudem kamen rezyklierter Bauschutt und gebrauchte Windschutzscheiben zum Einsatz. Es handelt sich nicht um kleine Hütten, sondern um imposante Bauten mit teils elegantem oder verspieltem Charakter. Die NZZ am Sonntag schrieb, man könne sich die Schule vorstellen wie eine südliche Version von «Herr der Ringe». Die Schüler planten und bauten gemeinsam mit Studenten der Universität Köln eine Anlage, die Wasserkraft mit Solarenergie kombiniert. Sie pumpt mit Hilfe der Sonnenkraft Flusswasser in einen Tank hoch. Ziehen Wolken auf, wird das Wasser abgelassen und treibt eine Turbine an. Mehr als 100 Solarzellen erzeugen rund 80 Prozent des insgesamt benötigten Stroms. Das Brauchwasser stammt aus dem Ayung River und wird mit einer Wasseraufbereitungsanlage gereinigt. Die Schüler kochen ihr Mittagessen auf einem Ofen, den sie mit Sägemehl von einer nahen Bambusplantage heizen.

Deutschland

Earthship Tempelhof

In Süddeutschland steht ein «Earthship», das weltweit Beachtung findet. Das 155 Quadratmeter grosse Gebäude dient rund 140 Menschen der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof als Treffpunkt und Aufenthaltshaus samt Toilette und Bad. Herzstück des Earthships sind mit Erde gefüllte, gebrauchte Autoreifen, die als thermischer Speicher in der Rückwand des Hauses fungieren. Das Prinzip: Im Sommer laden sich die Reifen mit Wärme auf, im Winter strahlen sie diese wieder ab. Das Earthship-Konzept ist nicht neu, es wurde vor vier Jahrzehnten vom amerikanischen Architekten Michael Reynolds erdacht. Tempelhof ist aber der Versuch, das Konzept an die klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa anzupassen. So ist man zum Beispiel bei der Isolierung einen Schritt weitergegangen und hat nicht Styroporplatten für Wände, Dach und Boden verwendet, sondern Glasschotter. In den Innenräumen kommen vornehmlich Lehmputze und Holz zum Einsatz, die Feuchtigkeit aufnehmen und so Schimmelbildung verhindern.

Schweiz

Grosspeter Tower

Mit dem Grosspeter Tower in Basel besitzt die Schweiz ein Leuchtturmprojekt in Sachen nachhaltig-ökologisches Bauen. Das 22 Stockwerke hohe Gebäude verfügt über eine der grössten Solarfassaden der Welt. Fenster- und Photovoltaik-Flächen halten sich die Waage. Zusammen mit den Solarmodulen auf dem Dach produziert der Tower rund 250'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr und deckt damit den Grundbedarf des Gebäudes. Darüber hinaus kommt «grüne» Energie zum Einsatz: So liefert etwa ein Erdsondenfeld in 250 Metern Tiefe mittels einer Wärmepumpe je nach Jahreszeit Heiz- oder Kühlenergie. Der Energieverbrauch ist dank ausgeklügelter Isolation und Gebäudetechnik minimiert. Daran haben auch fünf Schindler-Aufzüge der Baureihe 5500 mit Energie-Rückgewinnung ihren Anteil: Sie wandeln die Bremsenergie in Strom um, der ins Gebäudenetz zurückfliesst.

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