Heilsame Architektur – Schweizer Spitäler

Was vor einigen Jahren als zag­hafter Trend begann, wird in der Schweizer Spital­land­schaft immer häufiger zum Standard: Healing Architecture. Gebäulichkeiten mitsamt ihrer Um­gebung sollen dabei so gestaltet werden, dass sie den Genesungs­prozess der Patient­innen und Patienten fördern und heilsam beschleunigen.

Studien aus verschiedenen Ländern belegen, dass Patienten auf ihre unmittelbare Umgebung sensibler reagieren als gesunde Menschen. Sie leiden deswegen unter zusätzlichem Stress, der die Genesung verzögert. In der Healthcare Architecture hat nicht zuletzt aufgrund dieser Erkenntnisse vor ein paar Jahren ein Umdenken eingesetzt: Architektur wird dabei als wichtiges Element des Heilungsprozesses verstanden. Tanja C. Vollmer, die an der TU München über Architekturpsychologie und Gesundheitsbau forscht, spricht gar von der «Architektur als zweitem Körper».
Doch wie sollen Spitäler, die Architektur gleichsam als heilendes Medikament einsetzen, gebaut werden? Heilende Architektur basiere auf einem ganzheitlichen Ansatz, der nicht abschotte, sondern einbinde, so Vollmer. «Architekten müssen Weite schaffen, Durchblicke öffnen, Perspektiven betonen – mit lichtdurchfluteten Räumen, aber auch mit dem Rampenlicht entzogenen Rückzugsnischen», betont Vollmer.

Das neue Kantonsspital Baden (KSB) ist konsequent nach der Idee der Healing Architecture gestaltet.

Wie auf einem Marktplatz

Ebenfalls von heilender Architektur inspirieren liessen sich die Architekten Nickl & Partner beim Neubau des Kantonsspitals in Baden. Derzeit werden dort im bereits fertigen Rohbau von Schindler die Aufzugsanlagen installiert. Der Gebäudetrakt aus zwei ineinander verschränkten rechteckigen Baukörpern ist imposant. Eine Magistrale wird die grünen Aussenräume und die bepflanzten Innenhöfe miteinander verknüpfen. Cafés und Shops, wo sich Patienten, Ärzte und Pflegende wie auf einem Marktplatz begegnen, sollen zum Verweilen einladen. Die medizinischen Bereiche sind als Cluster konzipiert, eine klare Unterteilung und die Wegführung erleichtern die Orientierung. In die Zimmer fliesst viel Tageslicht und für die Fassaden und den Innenausbau setzt das Architektenteam auf einheimisches Holz. «Mit der Architektur versuchen wir, die Patienten, ihre Angehörigen und das Personal in der Stressbewältigung zu unterstützen», sagt Architektin und VR-Präsidentin Christine Nickl-Weller von Nickl & Partner.

Mit der Architektur versuchen wir, die Patienten, ihre Angehörigen und das Personal in der Stressbewältigung zu unterstützen.

Abwechslungsreich, intensiv und spielerisch

Herzog & de Meuron, die mehrere Projekte im Gesundheitsbereich am Laufen haben, konzipieren Spitäler als horizontale Stadt mit getrennten Bereichen für die Arbeit der behandelnden Ärzte und für das Wohnen und die Erholung der Patienten in ihren Zimmern. Bei den Materialien setzen Herzog & de Meuron unter anderem auf warmes Holz, das im Spitalbau lange Zeit aus hygienischen Gründen verpönt war. Die kleinen Patienten können, sobald ihr Zustand dies erlaubt, in den begrünten Innenhöfen spazieren und spielen. «Wir versuchen, aus Spitälern lebenswerte Orte zu machen», so Herzog.

 
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