Heilsame Architektur – Klinik St. Pirminsberg

Lauschige Rückzugs­orte, inspi­rie­rende Ausblicke: Die Umgebung der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers im St. Galler Oberland ist mehr als eine nachhaltig gestaltete Parklandschaft. Sie ist Teil der Therapie und des Heilungsprozesses – und eines der Herzensprojekte von CEO Christoph Eicher. Seit 25 Jahren.

Healing Architecture: die Psychiatrische Klinik Pfäfers macht es vor.

«Geduld, Geduld, Geduld», sagt Christoph Eicher und blinzelt in die Frühlingssonne, die das letzte bisschen Schnee im Garten wegbrennt. Einigen Schaden hat er angerichtet, als er sich im Januar tonnenschwer auf Pflanzen und Bäumen häufte. «Die Natur heilt sich selber», sagt der CEO der St. Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd. «Es braucht einfach Zeit. Genau wie bei den Menschen.» Geduld eben. Und die strahlt Christoph Eicher aus. Ein Vierteljahrhundert als Geschäftsführer der Klinik St. Pirminsberg haben ihn das gelehrt. «Man kann Menschen nicht von heute auf morgen heilen», sagt er. «Aber wir können sie dabei unterstützen, Tritt zu fassen.» Dabei hilft die fantastische Umgebung, die bei der Therapie eine zunehmend wichtige Rolle spielt.
Negativen Einflussfaktoren wie Stress und Lärm müsse Positives entgegengesetzt werden, meint auch Chefärztin Angela Brucher, sonst komme es zwangsläufig zu Symptomen. «Hier haben wir saubere Luft, Ruhe und eine harmonische Landschaft. Das ist heilsam.» Bewegung im Freien ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Im Unterschied zu früher gehe es heute zudem viel weniger darum, eine Krankheit einfach «wegzumachen», sondern darum, Ressourcen zu mobilisieren. Dazu trägt auch die Umgebung bei.

1000 Jahre Geschichte 

Das Herz der Klinik ist das über 1000-jährige ehemalige Benediktinerkloster, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Kanton aufgehoben wurde. 1846 eröffnete dieser darin die Heil- und Pflegeanstalt. Als man das Zentrum für Alterspsychiatrie baute, orientierte man sich an den Grundsätzen der Healing Architecture. Was, so die Frage bei diesem Ansatz, kann die Architektur zur Heilung beitragen? Einige der Antworten darauf sind im Neubau offensichtlich: Freundliche, lichtdurchflutete Räume, harmonische Farben und eine entspannte Atmosphäre wirken sich nicht nur auf das Wohlbefinden der Patienten aus, sondern auch auf das des Personals und der Besucher. Einladend, offen und transparent zu wirken, sei gemäss Christoph Eicher eines der wichtigen Anliegen der Klinik.

Lebensfreude schaffen

Als der studierte Staatswissenschaftler mit einem Nachdiplomstudium in Unternehmensführung vor 25 Jahren seine Arbeit in Pfäfers aufnahm, fiel ihm als Erstes auf, dass zwar alles funktional und gepflegt war, aber ihm fehlte das Freudvolle. Also begann er mit der Umgebung. Eicher entwickelte zusammen mit dem St. Galler Landschaftsarchitekten Tobias Pauli ein Gestaltungskonzept, das die Umgebung mittelfristig zum einladenden und inspirierenden Ort machen sollte. «Wir wollten einen echten Mehrwert schaffen», sagt Christoph Eicher, «einen Ort, an dem man gesund werden kann.»
Über nahezu zwanzig Jahre hat er sich immer wieder mit Tobias Pauli, später mit dessen Nachfolgerin Susanna Stricker, getroffen, um das Projekt schrittweise voranzutreiben. An den Beratungen beteiligten sich auch Mitarbeitende der Klinik . Dies sollte eine möglichst ganzheitliche Sicht der Dinge ermöglichen.
Als Erstes wurde Ende der neunziger Jahre der Aussenraum des Empfangsgebäudes umgestaltet mit Wasserbecken, Bäumen und wildromantischen Busch- und Blumenrabatten. Danach kamen die historischen Torkelgärten an die Reihe. Später kamen der Klosterhof und das über einen Kilometer lange, verschlungene Spazierwegnetz am Hügel hinzu, an den sich die Klinik zu lehnen scheint. Was er denn zum Park meine, will Eicher vom Patienten wissen, der sich eben gemütlich neben ihn in die Sonne gesetzt hat. «Schööö isch er», sagt dieser in breitem Ostschschweizer Dialekt. «Öppis för d Seel.» Und der CEO kann sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen.

Indem wir den Naturraum aufwerten, bieten wir unseren Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthalts draussen ein Erlebnis als Beitrag an die Behandlungsarbeit.

 
Lesen Sie den vollständigen Artikel im PDF oder in der Printausgabe.

Vorheriger Artikel Zur Übersicht Nächster Artikel

0 Kommentare

Was ist die Summe aus 8 und 1?