Eine Bau- und Innovations­welle überrollt die Spitäler

Die Schweizer Spitallandschaft befindet sich länger schon in einem rasanten Wandel, der durch COVID-19 nochmals beschleunigt wird. In den Spitälern wird Flexibilität, wie sie zum Beispiel die intelligente PORT-Steuerung in der Aufzugslogistik bietet, zum entscheidenden Faktor.

Das neue Bürgerspital Solothurn nahm im Mai 2021 offiziell seinen Betrieb auf.

Rund 70 neue Spitäler sind gemäss dem Informationsportal Medinside derzeit in der Schweiz geplant oder im Bau. Die Investitionen dafür belaufen sich auf 15 bis 20 Milliarden Franken. «Der Auslöser dieser Spitalbauwelle ist nicht SARS-CoV-2, sondern eigentliche Treiber der Entwicklung sind der demografische Wandel, veraltete Prozessmuster und neue Gesundheitsstrategien», sagt Simon Huser, Berater bei Müller Healthcare Consulting. Dabei geht es in den wenigsten Projekten um Wachstum, im Gegenteil: Vielerorts gibt es immer noch Überkapazitäten, obwohl das Angebot an Spitalbetten in den letzten 25 Jahren bereits um 45 Prozent reduziert worden ist. Doch der weiterhin rasante medizinische Fortschritt verkürzt laufend die Aufenthaltsdauer der einzelnen Patientinnen und Patienten und führt zu noch weniger stationären, dafür umso mehr ambulanten Behandlungen.
Diesem Wandel tragen immer mehr Kliniken Rechnung, indem sie stationäre und ambulante Angebote räumlich klar trennen.

Viele bestehende Spitäler sind vom Konzept her veraltet. Sie sind weder auf die moderne patientenzentrierte Versorgung noch die sich immer schneller entwickelnde Medizintechnik ausgerichtet.

Neubau ist meistens wirtschaftlicher

Allein aufgrund der oft durchaus noch intakten Bausubstanz müssten viele Spitäler noch lange nicht ersetzt werden. «Doch viele bestehende Spitäler sind vom Konzept her veraltet», gibt Simon Huser zu bedenken. Hightech-Geräte müssen bereits nach acht bis zehn Jahren der nächsten Generation weichen. Die neuen Maschinen benötigen fast immer mehr Platz. Ein OPS-Saal, der einst 35 Quadratmeter gross war, muss heute rund doppelt so gross und höher gebaut werden. «Sobald man um Veränderungen in der Bausubstanz nicht herumkommt, wird ein Ersatzneubau schnell einmal günstiger», so Huser.
Im modernen Spitalbetrieb gibt es auch spezifische logistische Bedürfnisse, die am besten mit intelligenten Lösungen abgedeckt werden. Beispiel Bürgerspital Solothurn: Der imposante Neubau, der seit dem 17. Mai offiziell in Betrieb ist, beeindruckt allein schon aufgrund seiner Dimensionen. Die Fläche des achtstöckigen Monolithen entspricht 13 Fussballfeldern, das Volumen (280'000 m3) rund 370 Einfamilienhäusern.

Digital gesteuerte Spitallogistik

Insgesamt 16 Aufzüge sorgen in Solothurn für den vertikalen Personen- und Warenfluss über 15 Etagen vom zweiten Untergeschoss bis zum achten Stockwerk. Im Einsatz stehen 14 Schindler-5500-Personenaufzüge, von denen 11 Anlagen sowohl für Personen- und Bettentransporte genutzt werden. «Jeder dieser Aufzüge ist so gross, dass er genug Platz bietet für ein Bett mitsamt Begleitpersonen», sagt Urs Studer, Leiter Infrastrukturen Bürgerspital Solothurn. Beim Haupteingang steht eine Triplexanlage hauptsächlich Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung. Ein an die Kundenbedürfnisse angepasster Warenaufzug (CUST) für das Sterilgut sowie ein Notfall- und Feuerwehraufzug (Schindler 2500) komplettieren die Aufzugslogistik.
Wichtige Kriterien in jedem Spital sind die Zuverlässigkeit und der Komfort. Eine Notstromversorgung garantiert, dass die Anlagen nach einem Stromausfall im Netz sofort weiterlaufen. Die Aufzugskabinen sind mit bläulichem Glas verkleidet, angenehm beleuchtet und zum Teil mit Bildschirmen für allgemeine Informationen aus dem Spital ausgestattet. Eine zentrale Rolle in der Aufzugslogistik des Bürgerspitals spielt die digitale PORT-Steuerung.

 

PORT-Intelligenz – für alle Fälle

Mit dem Bürgerspital Solothurn sind es inzwischen 19 Spitäler in der Schweiz, die auf PORT setzen. «Die intelligente Steuerung erlaubt es, den Personen- und Bettentransport sowie den gesamten Warenfluss eines Spitals perfekt aufeinander abzustimmen», erklärt Nicolas Häfliger, PORT-Projektleiter bei Schindler Schweiz. Die digitale Steuerung übernimmt die Vermittlerfunktion zwischen Personal, Patienten und Besuchern mit ihren jeweils individuellen Zielen und Ansprüchen. Sie sorgt für einen reibungslosen, effizienten, schnellen und zielgerichteten Aufzugsverkehr.
Mittels PORT lassen sich selbstverständlich auch betriebsspezifische Optionen in die Spitallogistik einbauen. Beim sogenannten REA-Alarm sorgt PORT für die schnellste Liftverbindung zwischen dem Ort, wo sich das Reanimationsteam befindet, und dem Stockwerk, auf dem der Notfall sich ereignet. Auch die logistische Anbindung von Robotern, diesen künftigen Gesundheitshelfern, ist für PORT kein Problem.

Blick in den begrünten Innenhof des Bürgerspitals Solothurn.

Wenn das Spital zum Hochhaus wird

«Trotz aller offensichtlichen Ähnlichkeiten zwischen den Spitälern gibt es in der Aufzugslogistik je nach Projekt immer auch deutliche Unterschiede», sagt Noél Lauper, Project Manager bei Schindler Schweiz. Er vergleicht dabei das Bürgerspital Solothurn mit dem neuen Hauptgebäude des Inselspitals Bern, das derzeit als Projekt BB12 noch mitten in der Bauphase steckt. Obwohl der Neubau in Bern volumenmässig nochmals eine Stufe grösser ist als das Bürgerspital Solothurn, werden für die vertikale Erschliessung in Bern ähnlich viele Aufzüge wie in Solothurn benötigt. Der Grund: Der Neubau BB12 ist ein ganz anderer Gebäudetyp, ein 63 Meter grosses Hochhaus mit 18 Geschossen. Die Höhe der Liftschächte, die ein zentrales Element des Baukörpers sind, sowie die grössere Zahl von Haltestellen sind denn auch wesentliche Unterschiede im Vergleich mit dem Bürgerspital Solothurn. Insgesamt werden 18 Aufzüge (16 Schindler 5500 und 2 Schindler CUST) sowie vier Fahrtreppen (Schindler 9300) im Einsatz stehen. «Die vorgezogene Installation der ersten Aufzüge für die Baustellenbenutzung erfolgte zwischen Februar und April 2021, im April 2022 werden dann alle Aufzüge installiert sein», hofft Bruno Jung, Gesamtprojektleiter BB12. Im künftigen Vollbetrieb müssen die Aufzüge täglich 1700 Mitarbeitende, 1900 Besucher, ebenso viele Patienten sowie alle im Haus benötigten Waren zwischen den vielen Stockwerken befördern.
Wie in Solothurn agiert auch im Neubau in Bern eine PORT-Steuerung als eigentliches Hirn der Aufzugslogistik. Das BB12 ist das erste Spitalgebäude dieser Grösse und Komplexität in der Schweiz, das nach dem Standard Minergie-P-Eco gebaut wird.

Flexibler, strukturierter, wandelbarer

Noch nicht wirklich absehbar ist, wie die Digitalisierung den Gesundheitssektor verändern wird. Die Gefahr besteht, dass auch die heute gebauten Spitäler, die mindestens 50 Jahre überleben sollten, bald wieder veraltet sein könnten. «Das lässt sich verhindern, indem Spitalbauten viel flexibler, strukturierter und wandelbarer gestaltet werden als in der Vergangenheit», sagt Simon Huser.

Nach vollendetem Werk: Marcel Girod, Project Manager bei Schindler Schweiz (rechts), und Urs Studer, Leiter Infrastruktur Bürgerspital Solothurn (links)
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